Türkei: Ararat 5.137m

Bestiegen am 05.08.2015 zusammen mit

Edith, 2 x Stefani, Marianne, Bernd, Fredy, Valentin, Harry, Johannes, Ferdi, Holger und Jürgen

 

39° 42′ 7″ N, 44° 17′ 50″ O

Der Ararat von Eriwan aus gesehen

Die Türkei liegt zu 97% in Asien. Hier von einem europäischen Land zu sprechen wird immer Diskussionen auslösen. Der höchste Gipfel vom kleinen europäischen Teil des Landes ist der Mahya Dağı 1.031m. Der höchste Punkt des Landes ist der Ararat. Untenstehende Infos über diesen Berg habe ich Wikipedia entnommen.

 

Der Berg Ararat, auch Großer Ararat (aus dem Hebräischen, entstanden aus assyrisch Urartu und kurdisch Çiyayê Agirî / Shaxi Ararat, türkisch Büyük Ağrı Dağı, armenisch Մասիս / Masis oder Արարատ / Ararat), ist ein ruhender Vulkan im Ararathochland in Ostanatolien nahe der Grenze zu Armenien und dem Iran. Er ist mit 5.137 Meternüber dem Meeresspiegel der höchste Berg auf dem Gebiet der Türkei. Der kurdische Name, Çiyayê Agirî, bedeutet „der feurige Berg“ (agir = Feuer, çiya = Berg).

Der kleinere Nachbarberg, der Kleine Ararat (türk. Küçük Ağrı Dağı), ist 3896 Meter hoch. Im Jahre 2004 wurden beide Araratberge Teil eines Nationalparkes.

Im Gebirge Ararat soll nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein (Gen 08,04 EU). Die Vulgata spricht hierbei von den montes Armeniae, also den „Bergen Armeniens“, während es in der Nova Vulgata in montes Ararat, „Berge von Ararat“, geändert wurde. Anerkannte wissenschaftliche Belege für diesen Bericht fehlen allerdings. Der Koran gibt den Cudi Dağı als Landeplatz an.

Eine als „Ararat-Anomalie“ bezeichnete geologische Formation in Gipfelnähe wurde im 20. Jahrhundert durch Luftaufnahmen bekannt und nährte Spekulationen um Überreste der biblischen Arche Noah.

 

Auch wenn der Ararat heute in der Türkei liegt, ist er das Nationalsymbol der Armenier, die bis 1915 größtenteils in den sechs armenischen Ostprovinzen im Osmanischen Reich ihren Siedlungsraum rund um den Ararat hatten. Er war im Staatswappen der Armenischen SSR und ist auch im Wappen Armeniens abgebildet. Die Türkei protestierte mit dem Hinweis, dass der Berg auf türkischem Territorium liege und deshalb nicht von Armenien oder der Sowjetunion vereinnahmt werden dürfe. Der sowjetische Außenminister Gromyko konterte später mit dem Hinweis, dass im Gegensatz dazu die Türkei den Mond als eine Mondsichel in der Flagge führe, obwohl weder der Mond noch ein Teil davon zur Türkei gehörten.

 

Die erste historisch belegte Gipfelersteigung des Großen Ararats erfolgte am 27. September/ 9. Oktober 1829 durch eine kleine Expedition, angeführt von J. J. Friedrich Parrot jun., dem damaligen Rektor der Universität Dorpat (Estland). Er war in Begleitung seines armenischen Führers, des späteren bekannten Romanciers Chatschatur Abowjan, der beiden russischen Soldaten Alexej Sdrowenko und Matwej Tschalpanow vom 41. russischen Jägerregiment, sowie der beiden Bauern Owannes Aiwassian und Murat Pogossian aus dem unweit des Berges gelegenen Ort Arguri. James Bryce bestieg den Ararat 1976 und behauptete, auf 4.000 m Höhe ein Stück bearbeitetes Holz gesehen zu haben.

 

Seit 2001 erlauben die türkischen Behörden unter Auflagen eine Gipfelbesteigung für Ausländer. Neben einem Ausnahmevisum, für dessen Ausstellung durch die Botschaft die Genehmigung des Tourismus- und des Verteidigungsministeriums vorliegen muss, wird eine Erlaubnis des türkischen Bergsteigerverbandes gefordert. Die Ausstellung kann Monate dauern. Das Visum muss mindestens zehn Wochen vor Reiseantritt beantragt werden. Nicht erlaubt sind Individualtouren; jeder Bergsteiger muss sich einer Gruppe anschließen. In den klimatisch für die Besteigung günstigen Sommermonaten finden sich zahlreiche Expeditionen am Berg ein. Meist wird der Berg von der Südseite begangen. Ausgangspunkt ist die Grenzstadt Doğubeyazıt, von der eine Fahrstraße zur letzten Siedlung, dem kurdischen Hirtendorf Eliköy, führt. Das Basislager befindet sich auf 3150 Meter ü.d.M.. Die Gipfelbesteigung erfolgt vom

Lager II von 4200 Meter. Neben der gängigen Südroute gibt es noch eine Ost- und eine Nordroute. Die Nordroute führt von der Stadt Aralık zum ersten Camp auf 2.750 m. Die Besteigung erfolgt dann von dem Bergsee Köp Gölü. In den Monaten März bis Mai wird der Ararat auch mit Skiern bestiegen. In den Wintermonaten ist das Klima am Berg sehr unbeständig, Blizzards machen eine Besteigung oft unmöglich. 

(Quelle Wikipedia)

2013 war ich in Armenien unterwegs. Hier sah ich das erste Mal den Ararat in Natur. Der Berg ist einfach nur schön. Eine gewaltige Pyramide die sich mächtig über dem Umland auftürmt. Damals war für mich klar: Hier muss ich auch noch hin. Nach einiger Zeit der Recherche hat jetzt die konkrete Umsetzung des Plans begonnen. Diesmal wird die Gruppe ein wenig grösser sein, langjährige Tourenpartner und neue Freunde werden dabei sein. Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Die Organisation wird auch dieses Mal in Eigenregie erledigt. Mein Organisationspartner vor Ort ist Timur.

Mt. Ararat

...und Noahs Arche stand still auf dem Berg Ararat...

Späte Ankunft in Van

01.08.2015 Zürich-Istanbul-Van-Doğubeyazıt


Endlich geht es los. Alles ist gepackt und vorbereitet und wir wollen Jürgen, Wolfgang und Ferdi auf dem Weg zum Flughafen abholen. Kurz vor unserem Aufbruch dann der Anruf von Wolfgang: er kann nicht mit. Verdammt, ich hatte mich so auf eine gemeinsame Tour mit ihm gefreut. Es ist so schade.

Treffen am Flughafen in Zürich und ein sehr komfortabler Flug über Istanbul nach Van. Mit etwas über einer Stunde Verspätung landen wir in Van. Davut, der Freund meines Organisationspartners Timur, holt uns am Flughafen ab. Nun folgen 3 Stunden Überlandfahrt. Vor diesen Überlandfahrten wird ja im Moment vom Auswärtigen Amt gewarnt. Folglich ist etwas Anspannung mit dabei. Über relativ leere Straßen geht es durch die nächtliche Provinz in Richtung Grenzgebiet. Unser Ziel, der Ararat, befindet sich in einem politisch brisanten Gebiet. Er ist umgeben von den Ländern Armenien, Natschewan, Aserbaidschan, Georgien und Iran. Auf Grund der einseitig, durch die türkische Regierung vor zwei Wochen aufgekündigten Friedensverträge mit der PKK, haben wir hier eine äußerst angespannte Situation. Wir sind mitten im Kurdengebiet. Nach problemloser nächtlicher Fahrt kommen wir in Dogubeyazit an, nicht ahnend dass es exakt in der Nacht unserer Anreise einen Anschlag auf das hiesige Polizeirevier gegeben hat. Ein mit Sprengstoff beladener Traktor zerstörte das Gebäude, 2 Polizisten sterben, 24 werden zum Teil schwer verletzt. Wie gesagt, wir ahnen nichts und kommen gegen 1:00 Uhr nachts im Hotel an, trinken noch ein Efes und ab in die "Buntkarierten".

Die Nordseite des kleinen und der grossen Ararat

02.08.2015
Ausschlafen ist angesagt, 8:30 Uhr Frühstück und dann Start in Richtung "Kleiner Ararat". Diese Tour als Akklimatisierungstour zu machen war mein Wunsch. Auch wenn klar war, eine wirkliche Genehmigung für den Berg haben wir nicht und es ist unklar ob wir überhaupt in die Nähe kommen. Von Doğubeyazıt aus ist der Berg nur etwa 50 Kilometer entfernt, aber es ist nicht machbar von hier aufzusteigen. Das Militär riegelt alles ab. Also einmal um den Berg herumfahren und nach 188 Kilometer einen Aufstieg von Norden versuchen.
Unsere Reise wird nach 10 Minuten Fahrt schon gebremst. Die Straße ist gesperrt. Was nun? Unser Fahrer, ich taufe ihn auf Erkan Schumacher, findet eine Lösung und weicht über wirklich abenteuerliche Pisten aus und umfährt alle Polizei- und Militärsperren. In der Ferne sehen wir das total zerstörte Gebäude der Polizeistation. Davut sagt uns, er wüsste nicht, was passiert sei. Es kann eine Bombe gewesen sein, genauso gut aber auch eine Gasexplosion oder unvorsichtiger Umgang mit Munition.

Alles sei möglich.
Wir fahren entlang der armenischen Grenze und ich erkenne Dinge wieder, die ich zwei Jahre zuvor gesehen habe, als wir parallel unserer jetzigen Strecke, auf der anderen Seite vom Grenzzaun fuhren. Der Große und der Kleine Ararat stehen unglaublich präsent in der Landschaft. Es wird gefragt, ob wir einen Stopp zum Fotografieren machen können. Erkan hält an, wir steigen aus und fotografieren. Nur Minuten später stehen bewaffnete Zivil-Polizisten vor uns. Ein etwas angespannter Dialog entwickelt sich zwischen den Polizisten und unseren kurdischen Begleitern.

Davut, Timur und Erkan wirken sichtlich nervös.
Die Polizisten nehmen die Daten auf, kurz darauf klingelt das Telefon von Erkan und er wird in das wenige Kilometer entfernte Dorf "gebeten". Hier soll er sich beim Grenzkommando des Militärs melden. Wir fahren zu einem Picknickplatz, laden das Gepäck aus und warten dort auf Erkans Rückkehr. Nach ca. einer halben Stunde ist er in Begleitung zweier schwer bewaffneter Zivil-Polizisten wieder da. Alles einladen, einsteigen und die komplette Gruppe muss nun zum Militärposten. Die Soldaten vor Ort wirken sichtlich nervös. Es sind zum Großteil blutjunge Kerle und die haben einfach Angst.

Ich gebe noch einige Instruktionen an meine Gruppe, ruhig und freundlich bleiben, keine hektischen Bewegungen machen, Stimme senken und nicht fotografieren. Nach einigen Minuten des Wartens, werde ich selbst zum wachhabenden Offizier zitiert. Unsere drei kurdischen Begleiter sind sehr nervös und die Stimmung ist...nennen wir es mal etwas aggressiv.

Mein Plan: deeskalieren, vermitteln und möglichst schnell wieder hier weg. Der Wachhabende spricht kein Englisch. Ich gehe offen auf alle im Raum zu, stelle mich vor und gebe ihnen die Hand. Schon das allein wirkte wohl etwas beruhigend. Ein Dolmetscher wird geholt, da man Davuts Übersetzung wohl nicht traut. Der Dolmetscher, ein junger Soldat, ist ein netter Kerl. Er hatte ja bisher nichts mitbekommen und mit ein paar flapsigen Bemerkungen und etwas Smalltalk habe ich ihn schnell auf meiner Seite. Das wiederum passt dem Wachhabenden wohl gar nicht. Er spricht etwas lauter und wirkt beleidigt. Man will nun alle Pässe der Teilnehmer und immer noch erklärt mir niemand, was hier eigentlich läuft. Dass ich selbst ein paar Tage beim Militär war kommt mir nun zugute. Ich spreche den Wachhabenden direkt an und frage, wer hier das Kommando hat. Der Dolmetscher übersetzt und der Wachhabende ist etwas kleinlaut und meint, der Kommandant sei nicht anwesend. Meine unmissverständlich vorgetragene Bitte an ihn: „Gut, dann bitte holen Sie den Kommandeur.“ Irgendwie wirkt er jetzt schon etwas kooperativer.

 

Kurz drauf betritt der Kommandeur den Raum, alle Uniformierten salutieren, die Zivilpolizisten nehmen Haltung an und verlassen kurz darauf den Raum. Ab jetzt ist es Chefsache. Ich grüsse den Chef freundlich, nehme die Mütze und Sonnenbrille ab und gebe ihm die Hand. Er fragt, um was es geht. Er spricht Englisch, aber der Dolmetscher übersetzt fleißig, damit auch die Anderen im Raum alles mit bekommen. Dann wird es dem Chef zu viel, kurze Geste und der Dolmetscher ist ruhig. Ein zusätzlicher Stuhl wird herbei geschafft und der Kommandant und ich unterhalten uns. Er fragt, was wir hier machen. Ich erkläre ihm, dass wir lediglich vorhatten, den Kleinen und Großen Ararat von der Nordseite zu fotografieren, da dies einfach so schöne Berge sind. Er lächelt und ich sehe genau, dass er mir kein Wort glaubt. Dann bekomme ich erst einmal etwas zu trinken und auf meine Intervention hin auch unsere kurdischen Begleiter. Er erklärt mir die Situation: Innerhalb der letzten beiden Tage habe es zwei Anschläge gegeben. Ein Posten sei beschossen worden und in Doğubeyazıtsei der Polizeiposten in die Luft geflogen. Die Attentäter werden im Gebiet des kleinen Ararats vermutet. Angeblich würden Helikopter unterwegs sein und diese können Touristen von Terroristen einfach schlecht unterscheiden. Vorsichtshalber würde man eben auf alles schießen.
Ich erkläre ihm, dass unsere drei kurdischen Guides nichts für die Situation können, da ich wohl in meiner Unwissenheit, mit meinen Wünsche die Jungs unter Druck gesetzt habe. Dafür entschuldige ich mich und sage ihm, dass das eine sehr gute Reputation für das Land und das Militär sei, wenn die Leute auf meiner Internetseite lesen können wie sehr das Militär um die Sicherheit der Touristen bemüht sei. Dies wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Dann erkläre ich dem Kommandanten meine Maxime, immer drei Dinge am Berg zu beachten. Prompt fragt er, welche das seien.

Erstens: die Sicherheit der Gruppe,

Zweitens: Essen und Trinken

erst dann kommt als drittes der Berg, aber der sei nicht wirklich so wichtig wie Zweitens.

Er schlägt sich lachend auf den Oberschenkel und fragt wo die Gruppe denn sei. Draußen in der sengenden Sonne. Das war das Stichwort, sofort werden Soldaten gerufen, Stühle werden vor dem Gebäude im Schatten aufgestellt und Tee organisiert. Dann wird die Gruppe in die Kaserne geholt. Inzwischen sind wir Gäste des Kommandanten. Er fragt mich ob wir unterschreiben würden, dass wir umkehren, keinen weiteren Versuch am Kleinen Ararat unternehmen werden und über die Situation belehrt worden seien. Dies tun wir selbstverständlich und eine recht nette Gesprächsrunde entsteht.
Nach insgesamt drei Stunden können wir wieder weiter fahren. Puh...das war blöd gelaufen. Immerhin waren wir bis auf rund 5 Kilometer an den Kleinen Ararat heran gekommen...

...und das war sicher nicht mein letzter Versuch ;-)

Auf der Rückfahrt zum Hotel suchen wir einen netten Platz abseits der Straße, Grillen dort, haben Spaß und zum Schluss wird sogar noch getanzt. Die Rückfahrt bringt uns dann noch einen Stopp beim Reifenhändler, dieser muss einen Platten hinten links reparieren.

Am frühen Abend kommen wir wieder im Hotel an, duschen und ab geht es in die Stadt zum Abendessen. Hauptthema des Abends ist natürlich unser kleiner Ausflug mit all seinen Eindrücken.

unsere Ausrüstung wird per Pferd in die Lager transportiert, wir selbst haben nur Tagesrucksäcke dabei

03.08.2015
5 Uhr bin ich wach und checke die Seite des Auswärtigen Amtes. Vor Reisen in die Grenzregionen wird gewarnt. Bei Anschlägen auf Polizeistationen und Militärposten in dem Gebiet in dem wir uns befinden, sind 30 Personen verletzt worden und 3 Personen getötet. Man soll sich nicht länger als unbedingt notwendig in der Nähe von Polizeistationen und militärischen Einrichtungen aufhalten.

Ich grüble, sind drei Stunden mitten drin länger als unbedingt notwendig?

Egal heute geht es an den Grossen Ararat, bin gespannt ob alles klappt.

Wir liegen jetzt auf 3.200m im Zelt, es ist 21:00 Uhr und ich kann noch nicht schlafen, in Deutschland ist es jetzt erst um 20:00 Uhr. Es ist warm und irgendwie gemütlich im Zelt. Der Tag verlief problemlos. Beim Frühstück sagt mir Davut, dass das Militär den Berg sperrt. Keiner weiß warum. Ich denke, es ist einfach eine Bestrafung der Menschen die hier leben. Kein Terrorist ist am Ararat unterwegs! Das ganze Gebiet ist seit Jahrzehnten vom Militär abgeschirmt. Eine Einreise ist nur mit Sondergenehmigung möglich. Der Ararat ist weites, offenes Land. Kein Schaf zuckt hier mit dem Ohr, kein Grashalm bewegt sich ohne dass das Militär dies registriert. Sofort hat man Bilder von Terroristen im Kopf die plötzlich hinter einem Busch vorspringen und Touristen entführen. Nur: Wo sollen die bösen Buben herkommen? Das Gebiet ist abgeriegelt und Büsche hat es hier auch keine mehr, nach dem das Militär hier alles an Wald und Buschwerk vor zig Jahren nieder gebrannt hat. Der Grund für die Sperrung ist einfach. Viele kurdische Familien leben vom Ararat-Tourismus. Die Guides, Pferde-Leute, Fahrer, Lebensmittelhändler, Hoteliers...die Reihe lässt sich endlos fortsetzen. Kein Tourismus, keine Lebensgrundlage mehr für die Kurden.
Ich beratschlage mich mit Davut, was wir tun sollen. Er erklärt, dass alle Guides, die für größere Organisationen führen, einen Anruf vom Militär erhalten haben. Diese Guides dürften nicht gehen. "Matze-Sherpa-Tours" kennt halt keine Sau ;-) Davut selbst wurde bisher nicht angerufen. Ergo wissen wir von nichts. Wir beschliessen, die Flucht nach oben anzutreten, verlassen das Hotel und fahren auf kürzesten Weg zum Endpunkt der Straße und beeilen uns das Gepäck an die Horses-Men zu übergeben und loszugehen. Im Aufstieg kommen uns die Gruppen der anderen Anbieter wie Diamir, Hauser usw. entgegen. Die steigen wirklich alle ab. In deren Haut möchte ich jetzt auch nicht stecken, die haben einen Haufen Geld für die Tour bezahlt und waren zum Teil schon im Lager 2 auf 4.200m. Nur noch 1.000m unterhalb des Gipfels. Die sind natürlich echt enttäuscht. Einer sagt mir: Ihr müsst unbedingt umdrehen, die Lager sind bereits alle abgebaut oben! Da ist absolut nichts mehr.

Ich sage: ja ja und ja ja heisst bekanntlich..."LMAA"

Nachmittag gegen 15:00 Uhr kommen wir im ersten Lager auf 3.200m an. Alles ist in Ordnung. Mannschaftszelt und Küchenzelt stehen, Toilette ist eingerichtet, Wasserschlauch verlegt, also alles recht komfortabel. Davut und ich besprechen, dass er einfach nicht an das Telefongehen soll, wenn er die Nummer des Anrufers nicht kennt. Obwohl die Lage ernst ist, haben wir irgendwie Spaß dran. Ein kleiner Rebell steckt eben in jedem von uns. Es gibt Kaffee, Tee und Gebäck. Der größte Teil der Gruppe steigt danach noch etwas auf, um sich besser zu akklimatisieren. Dann gibt es Abendessen und ich verziehe mich recht früh ins Zelt. Morgen soll es auf 4.200m gehen, Inshala...es wird klappen...

Blick vom Lager II in Richtung Ziel

04.08.2015
Der Aufstieg beginnt nach einem reichhaltigen Frühstück. Alles verläuft unspektakulär und nach Plan. Wir kommen am Mittag im Camp 2 an. Wir bauen unsere Zelte auf und richten uns ein. Wir sind keine Minute zu früh fertig damit. Das Wetter schlägt um, es ist stürmisch und es fängt an zu regnen und zu schneien. Wir nehmen einen kleinen Imbiss, den Mehmet unser unermüdlicher Koch zubereitet hat und legen uns ein paar Stunden ins Zelt.
Es geht nun das Gerücht, dass das Militär die Camps räumen will. Alle müssen runter vom Berg, auch die Hirten mit ihren Familien und Herden. Was für ein Schwachsinn. Jedoch auch die Militärs müssten erst in die Lager aufsteigen. Mit uns sind noch zwei andere Gruppen aus Osteuropa im Camp 2, diese wollen morgen an den Gipfel. Wir haben bisher keine Akklimatisierungstour gemacht, aber die Zeit läuft uns nun davon. Ich bespreche mich mit Davut und wir beschließen, in der kommenden Nacht sofort einen Gipfelversuch zu wagen. 17:00 Uhr Abendessen, das Wetter ist immer noch schlecht. Das verschafft uns wiederum Zeit, da die vom Militär bei diesem Wetter sicher auch nicht aufsteigen wollen. Rucksack packen, viel brauchen wir nicht, dann ab in den Schlafsack. Es wird eine windige Nacht. Um Mitternacht legt sich der Wind etwas und es gibt auch keine Niederschläge mehr. 

Am Gipfel des Ararat 5.137m

05.08.2015
01:00 Uhr ist Wecken, die beiden anderen Teams marschieren bereits los.
Wir treffen uns im Mannschaftszelt, jeder versucht noch etwas zu essen und zu trinken. Marianne hat Magenprobleme und wirkt nicht wirklich fit.
Pünktlich um 2:00 Uhr ist Start. Ich habe mit Davut vereinbart, dass wir ein langsames Tempo gehen, ich möchte dass wirklich alle auf den Gipfel kommen. Wir laufen langsam und gleichmäßig. Ich habe 6 Stunden zum Gipfel kalkuliert.
Wir steigen auf, jeder hängt seinen Gedanken nach, kämpft mit der Kälte, dem Wind, der Müdigkeit oder der körperlichen Anstrengung. Es geht durch Lavabrocken, Staub und Dreck. Es ist recht schwierig, in diesem Gelände einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden. Es knirscht zwischen den Zähnen, der feine Lavastaub findet seinen Weg auch in die Kleidung.

Marianne geht es nicht gut, Timur bleibt bei ihr und geht in einem etwas langsameren Tempo.

Sie ist durch den Durchfall geschwächt und kämpft hart.
Auf ca. 4.900m kommen wir an den Gletscher, die Sonne geht gerade auf und wir legen die Steigeisen an. Ich schaue in einige gequälte Gesichter. Meines sieht sicher nicht besser aus. Der Gletscher steigt sanft zum Gipfel an und ist problemlos. Die Sonne kommt über den Berg und die wärmenden Strahlen tun so gut. Bis zum Steigeisenplatz hatte ich brutale Müdigkeitsanfälle, teilweise bin ich im Gehen eingeschlafen. Die fehlende Akklimatisierung und die Höhe mit dem Sauerstoffmangel machen sich bemerkbar.
Jetzt, das Ziel direkt vor den Augen, bin ich sicher, wir kommen da hoch. Der Gipfel in Reichweite, die Sonne wird von Minute zu Minute stärker, dass motiviert und mobilisiert die Reserven. Die letzten 180 Höhenmeter und 500m Luftlinie vom Steigeisenplatz kosten uns noch einmal fast eine Stunde.

Kurz vor 7:00 Uhr sind wir nach bereits 5 Stunden am Gipfel. Marianne kommt ebenfalls nur einige Minuten nach uns am Gipfel an. Die komplette Mannschaft ist oben! Ich bin so glücklich!

Wir haben den Gipfel dann komplett für uns, da die anderen beiden Teams einige Minuten vor unserem Eintreffen den Abstieg begonnen haben. Die Sonne wärmt uns und alle sind glücklich. Die üblichen Gipfelbilder werden geschossen und wir genießen den fantastischen Ausblick in das Umland. Für mich ein sehr emotionaler Moment, der dritte 5.000er zusammen mit Edith und dem "Kleinen Schund". 100% Gipfelquote am Ararat und das unter Zeitdruck und komplett ohne Akklimatisation. Ich bin so stolz auf unsere Mannschaft. Der Blick von hier, auf 5.137m über Null, geht in die Türkei, Iran, Armenien, Georgien, Natschewan und Aserbaidschan. Wir verweilen etwa 30 Minuten hier oben, dann geht es an den Abstieg. Hier oben ist eben erst die Hälfte der Tour geschafft. Der Abstieg wird für so manchen von uns noch recht zäh. Angekommen im Camp 2 auf 4.200m trinken wir etwas und versuchen, etwas zu essen. Nun heißt es Zelte abbauen, Sachen packen um diese auf die Tragetiere verladen zu können. Nun ist es auch Gewissheit, die Camps werden vom Militär geräumt. Hier oben ist man bereits dabei, alle was sonst für die Saison fest installiert ist, wie Küchen- und Mannschaftszelte, abzubauen. Ich verstehe das alles nicht. Aber bin froh, dass wir diesen schnellen Versuch gemacht haben und alle oben auf dem Gipfel waren.

Wir gehen runter in das Camp 1, was uns noch einmal ca. 2,5 Stunden kostet. Harry rutscht unterwegs aus, stürzt und knickt sich den rechten Fuß um. Es ist nichts gebrochen, aber der Knöchel schwillt an und ist überdehnt. Für ihn, seinen Sohn Valentin und für mich wird der restliche Abstieg jetzt zäh. Timur übernimmt Harrys Rucksack. Langsam und mit voller Konzentration humpelt Harry zum Camp 1. Valentin und ich bleiben bei ihm. Hier trinken und essen wir etwas, Mehmet ist bereits vor uns da und hat alles vorbereitet. Wir diskutieren das weitere Vorgehen aus und beschließen, direkt bis in das Tal abzusteigen. Harry wird mit dem Ararat-Taxi transportiert. Das heißt, er kommt zu Pferd in das Tal. Am Carplace auf 2.200m warten schon die Autos und es geht zurück in das Hotel. Ohne dass wir vom Militär behelligt werden treffen wir dort gegen 18:30 Uhr ein. Es wird ein erstes kaltes Efes- Bier auf der Terrasse getrunken, geduscht und alle sind froh, dass sie aus den dreckigen Kleidern heraus kommen und den Staub herunter waschen können. Dann geht es in die Stadt zum Essen und Feiern. Alle sind müde, wir sind jetzt rund 19 Stunden auf den Beinen. Die knapp 3.000 Höhenmeter Abstieg und der vorherige Aufstieg von rund 1.000m sind deutlich in den Knochen zu spüren.
Timur sagt uns, dass dies seine erste deutsche Gruppe sei, die den Berg in drei Tagen gemacht hat. 4 Tage mit direktem Abstieg seien mit iranischen, russischen, polnischen und tschechischen Teams schon vorgekommen, aber nicht üblich. Drei Tage mit direktem Abstieg seien schon eine starke Leistung. Wir sind stolz drauf, auch wenn wir das ja nicht ganz freiwillig so gemacht haben.

Wir hatten viel Glück – dadurch, dass wir daran gehindert worden sind, den Kleinen Ararat zu besteigen, waren wir einen Tag früher am Großen Ararat. Nur deshalb konnten wir noch bis zum ersten Camp aufsteigen, als der Berg gesperrt wurde. Das Wetter hat mitgemacht und das Team super zusammen gearbeitet. Timur und seine Leute vor Ort haben uns den besten Support gegeben. Alles hat reibungslos geklappt. Seine Leute waren immer absolut pünktlich. Für ihn kann ich deshalb nur Werbung machen. Für alle Interessierten, die nicht mit den großen Agenturen gehen wollen, vermittle ich gern die Kontaktdaten.

06.08.2015
Heute ist ein Relaxing Tag geplant. Wir haben durch unsere Blitzbesteigung zwei zusätzlich Tage gewonnen. Den heutigen Tag nutzen wir um auszuschlafen, die schmutzigen Kleider zu versorgen und spät zu frühstücken. Dann wollen wir den Ishak Pascha Palast in Doğubeyazıt anschauen, zum Barbier um uns die Bärte abrasieren zu lassen (zumindest die Männer ;-) und in ein Hamam – ein türkisches Bad – gehen. Es wird ein Tag zum "Schlendern". Wir palavern, genießen und lassen uns ein wenig treiben. Mit einem opulenten Abendessen und einem ordentlichen Muskelkater vom Abstieg, geht der erste Tag nach dem Gipfel zu Ende.

Abschied vom Hotel

07.08.2015
Wir wollen am heutigen Tag zurück nach Van. Nach dem Frühstück geht es los, doch sehr weit kommen wir nicht. Der erste Stau ist kurz nach unserem Hotel. Hier ist ein Unfall passiert. Später stellt sich heraus, ein iranischer Kleinbus wollte an der Militärsperre nicht anhalten, das Militär hat da dann wohl eine sehr niedrige Hemmschwelle, um von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.
Wir passieren die Stelle und fahren auf die vierspurige Straße nach Van. Es geht einen Pass hoch und schon stoppt wieder alles. Auf der Passhöhe blockieren 5 brennende LKW –darunter ein Tankwagen – die komplette vierspurige Straße. Oben kreisen Hubschrauber, von hinten kommt ein weißer Range Rover und überholt alle wartenden Autos, auf Höhe der brennenden LKW geht er kurz neben die Straße und fährt daran vorbei.
Sofort meinen alle Fahrer:"das können wir auch". Blöderweise fährt sich aber der PKW vor uns,direkt neben dem Tankwagen, fest. Kurz kommt etwas Hektik auf, aber irgendwie kann sich der Fahrer bald wieder aus seiner misslichen Lage befreien und Erkan donnert mit Schwung an den brennenden Fahrzeugen vorbei. Puh...jetzt einfach nur weg hier, denke ich.
Die Fahrt nach Van verläuft ansonsten unspektakulär. Wir stoppen an einem Wasserfall und genießen die Landschaft, trinken Tee und essen etwas. In Van angekommen, checken wir im Hotel ein und gehen dann die alte Zitadelle von Van besuchen. Es ist eine riesige Anlage und Davut kann einiges dazu erzählen. Abends gehen wir in das Restaurant "Karawanserei" zum Abendessen. Dies kann man absolut empfehlen! (Kartenzahlung war für Ausländer allerdings nicht möglich). Den restlichen Abend lassen wir vor dem Hotel, auf der Bordsteinkante sitzend und ein paar Efes trinkend, ausklingen.

08.08.2015
Jürgen hat Geburtstag. Mit Davuts Hilfe haben wir eine Torte organisiert. Auf der Torte steht: Happy Birthday"Jürgem" ;-)
Wir treffen uns um 8:30 Uhr zum Frühstück und Ferdi, der sich mit Jürgen ein Zimmer teilt, hat die Aufgabe Jürgen erst gegen 8:45 Uhr zum Frühstück zu bringen. Jürgen betritt den Frühstücksraum und alle tun so als ob sie nichts vom Geburtstag wissen. Dann kommt die Torte, alle gratulieren und singen. Ich glaube, er hat sich echt gefreut...
Nach dem Frühstück geht es an den Van-See. Der größte See der Türkei ist beeindruckend groß und glasklar. Das Wasser enthält Natron und hat auf Grund der vulkanisch beeinflussten Zuflüsse, scheinbar rund um das Jahr eine in etwas gleiche Temperatur. Mit dem Boot geht es auf die Insel Akdamar, die zweitgrößte Insel im Vansee. Wir besuchen die alte armenische Kirche, trinken Tee und gehen baden.

Nach dem Mittagessen im Restaurant gegenüber dem Bootsanleger, geht es zurück nach Van. Hier ist jetzt individuelle Freizeit angesagt. Wir verstreuen uns in der Stadt, treffen uns abends wieder in der Karawanserei, essen und trinken, genießen die letzten Stunden unserer Zeit hier in Kurdistan.

Der Van See, glasklar und salzig wie ein Meer
Tee trinken in Van

09.08.2015
Es heißt nun Abschied nehmen. Abschied von einem Land, das mit seinen unterschiedlichen Ethnien nicht wirklich gut klar kommt. Abschied aber auch von großartigen Landschaften, freundlichen und besonders gastfreundlichen Menschen, Abschied von unseren wirklich super organisierten kurdischen Guides Davut und Timur. Es war zwar nur eine kurze gemeinsame Zeit und ich habe das Gefühl, mich wirklich von sehr guten Freunden zu verabschieden.
Bestimmt sehen wir uns wieder, Berge stehen da jede Menge und Skitouren in Kurdistan...ist ja auch mal was anderes...
Der Rückflug mit Turkish Airlines läuft problemlos, alle bekommen ihr Gepäck und bald heisst es auch am Flughafen in Zürich: "Tschau Matze, danke fürs Organisieren, war ne geile Tour...was planst Du als Nächstes? Ach egal, plane mich einfach mal mit ein..." Ein höheres Lob kann man ja fast nicht mehr bekommen ;-)

PS.: Für Interessierte an Ararat Touren oder Touren in der Umgebung gebe ich gern die Kontaktdaten zu Timur und Davut weiter.

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Wer ich bin?

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Ruhelos, rastlos, getrieben.

Bergsüchtig...

Mit Mischa am Eiger

 

 

 

Vielen Dank an alle Unterstützer, Freunde, Tourenbegleiter, meine Familie, meine Kinder und vor allem an meine Partnerin Edith. Mir ist bewusst das es nicht einfach mit mir ist, deshalb Danke für Eure Geduld und Liebe.