Island: Hvannadalshnúkur 2110m

Bestiegen am 28.06.2017

Solo

64° 3' N; 16° 39' W

Der Hvannadalshnúkur ['kʰvanːataˑlsˌn̥uːkʏr̥] im Vulkanmassiv des Öræfajökull ist mit 2.110 m der höchste Gipfel Islands. Lange galt er als 2.119 m hoch, doch nach einer neuen Messung am 4. August 2005 wurde die Höhe nach unten korrigiert. Es muss sich hierbei nicht einmal um einen Messfehler handeln. Höhen- und Breitenveränderungen sind bei Vulkanen keine Seltenheit. Wenn sich eine Magmakammer unter dem Vulkan füllt, bläht er sich z. B. auf. Andererseits kann jeder weitere Ausbruch die Höhe des Berges erhöhen – wie zuletzt etwa im Jahre 2000 bei dem isländischen Vulkan Hekla geschehen – oder verringern – wie etwa beim Ausbruch des Mount St. Helensin den USA im Jahre 1980.

 

Der Hvannadalshnúkur befindet sich im Skaftafell-Nationalpark und gehört zum Gletscher Öræfajökull, der Teil des Vatnajökull ist. Gleichzeitig handelt es sich aber beim Öræfajökull um einen mächtigen Zentralvulkan. Der Vulkan entstand vor allem während des Pleistozän in Ausbrüchen unter dem Eis und auch in eisfreien Zeiten[1].

Zwei starke Ausbrüche sind seit der Besiedelung Islands belegt (1362 und 1727), die der Besiedelung in der Umgebung zeitweise ein Ende setzten.

27.06.2017

Wolfgang ist bereits auf dem Weg nach Zürich, wir frühstücken erst einmal gemütlich und machen uns dann auf dem Weg nach Südosten in Richtung Höfn. Der eine oder andere Zwischenstop am Wasserfall, Eissee, Gletscher, blühenden Hügellandschaften wird eingelegt. Also sind wir jetzt unterwegs auf der "Touri-Runde". 

Ein Hotel haben wir nicht vorgebucht und so wird jeder Stop und die Nachfrage nach einem Zimmer zum spannenden Abenteuer. 

Die Isländer sind sehr kreativ und so bekommen wir unter anderen für 50,-€ pro Person einen umgebauten Schweinestall angeboten. Hier hatte man sich erst gar nicht erst die Mühe gemacht den vorherigen Zweck des Gebäudes zu tarnen. Einfach Spanplatten auf die Wände geschraubt, ein Doppelstockbett rein, Türen, Fenster windschief und mit viel Belüftung, dafür eine Elektroheizung die immer an ist, Temperatur regelt man via Fenster. 

Dusche und Klo über dem Hof. Ne ne ne... da wollten wir nicht rein.

Nach längerer Suche finden wir ein nettes Hotel für 208,-€/Nacht inkl. Frühstück. Der einzige Haken, ich muss am Morgen meiner geplanten Bergtour ca. 90 Kilometer zurück fahren. Alles kein Problem, also eine Stunde früher aufstehen. Der Abend wird mit einem sehr teurem, aber guten Abendessen beschlossen. Im Waldfrieden beim Volker in Herrenschwand hätten wir für den Preis ein 3 Gänge Menü mit Wein bekommen. Aber was soll's wir wollten Island, jetzt dürfen wir nicht meckern. Ich richte mir in der Nacht noch alles für den Berg und bin gegen Mitternacht im Bett.

 

28.06.2017

 

Nach nur 3:45 Stunden klingelt der Wecker. Duschen, Lunchpaket schnappen und los. Es ist niemand unterwegs, die Sonne schein, es ist top Wetter.

Bis Sandfell brauche ich eine Stunde. Am Parkplatz steht bereits ein Auto, somit bin ich offensichtlich nicht allein auf der Tour. Ich starte, folge dem Weg auf der GPS Karte und laufe prompt zu weit rechts in eine Sackgasse.

Kein Problem, wieder zurück, über den Bach queren und nun bin ich auf dem richtigen Weg, der sich am Anfang super deutlich durch das Gelände schlängelt. Markierungen hat es keine und braucht es hier auch nicht, die Strecke über den Rücken ist eindeutig. Ich sehe recht frische Spuren und tippe auf eine Zweierseilschaft vor mir oder vier Einbeinige? ;-)

Auf knapp unter 400m entfernt sich der Weg vom Bach, ab hier heisst es, gibt es kein Wasser zum Trinkflaschen auffüllen. Aber da mache ich mir so meine eigenen Gedanken. Wer startet zu einer solchen Tour mit über 2.100 Höhenmetern und muss sein Trinken nach 400 Hm auffüllen? Die zwei toten Schafe die weiter oberhalb in der Nähe des Baches lagen, machten mir den Gedanken an das Bachwasser auch nicht sympathischer, obwohl ich dies betreffend recht hart im Nehmen bin. Ich habe 2x 1 Liter + 1x 0,5 Liter dabei, das muss für so eine Tour reichen.

Der Pfad zieht über eine Kante und nun wird das Gelände steiniger und Geröll bestimmt das Landschaftsbild. Hier ist der Weg oft komplett unsichtbar, aber einige Steinmänner markieren den Verlauf. Wenn man das Gelände aufmerksam beobachtet ergibt sich der weitere Weg. Knapp über 1.000 Höhenmeter komme ich auf den Firn. Einen Tag vor mir ist eine grosse Seilschaft mit Schneeschuhen unterwegs gewesen und dann ist noch die Zweier-Seilschaft vor mir, also ab hier ist die Spur breit wie eine Autobahn.

Höhenmeter um Höhenmeter werden erklommen. Es ist windstill und warm, der Firn aber hart gefroren, mit einer kleinen Neuschneeauflage von 4 oder 5 Zentimeter. Ideale Bedingungen also.

Auf 1.400 Meter macht es komplett zu, die Sicht ist nun nur ein paar Meter und plötzlich kommt mir die Zweierseilschaft entgegen. Sie schauen erstaunt und fragen warum ich allein unterwegs bin. Wir unterhalten uns kurz, die Zwei sind um 23:00 Uhr gestartet und waren um 7:00 Uhr am Gipfel. Auf meine Frage nach dem Bergschrund und den Spalten bekomme ich die Antwort, dass diese im Moment unkritisch sind. Der Bergschrund ist gut machbar. Das war die Information die ich auch von meinem Freund Magnus hatte. Also mache ich hier ein Depot. Die warme Jacke, die dicken Handschuhe, eine leere und eine volle Trinkflasche, das Seil, der Gurt, nebst Material wie Eisschrauben, Karabiner und Bandschlingen, bleiben hier. Schnell noch einen Wegpunkt im GPS gesetzt, damit ich mein "Geraffel" auch wieder finde.

Nun mit extrem leichtem Gepäck bin ich noch schneller. Auf Bergtouren in anderen Gebirgen bin ich sonst deutlich kurzatmiger unterwegs, die relativ niedrige Höhe kommt mir hier zugute.

Auf der Höhe von 1.790 Meter folgt eine sehr lange flache Passage, es reisst wieder auf und ich kann das Ziel sehen. Vor mir steht der Berg in einer grandiosen Kulisse. Es wird nun regelrecht heiss in diese schüsselartig geformten Fläche. Eine längere Spalte, nur einige Zentimetern breit, zieht sich über 20-30 Meter parallel zum Aufstiegsweg. Ich bin hochkonzentriert und beobachte meinen Weg genauestens. Am Ende des Plateaus lege ich die Steigeisen an. 

Der nun folgende Steilaufschwung ist gut machbar, der Bergschrund gut eingeschneit und die Oberfläche ist immer noch pickelhart. Unter den bedrohlich und wirklich beeindruckend überhängenden Seraks quere ich über eine Rampe in Richtung Gipfel. Hier ist nochmal volle Konzentration gefragt, etliche Spalten sind zu erahnen, ab dann geht es unschwierig weiter über zwei Aufschwünge und der Höchste Isländer mit dem fast unaussprechlichen Namen, ist auf meiner Liste abgehakt. 

Hvannadalshnúkur ['kʰvanːataˑlsˌn̥uːkʏr̥] 2.109m hoch, ca. 2.130 Höhenmeter (mit Gegenanstiegen) ab Auto, in 5 Stunden und 25 Minuten. Ich bin zufrieden und stolz. Nach einem kurzen Aufenthalt, Fotografieren, Filmen, GPS Beweis eingeben, geht es wieder runter auf dem gleichen Weg. Mein Ehrgeiz ist geweckt. Man braucht normalerweise so 12 bis 15 Stunden für die komplette Tour, hatte man mir gesagt. Mein Ziel nun die 10 Stunden unterbieten. Eigentlich bin ich eher der alte "Diesel" am Berg und nicht der "Ferrari". Ich lasse es laufen und bin schnell zurück am Depot. Etwas trinken und essen. Alles kommt wieder in den Rucksack, huch ist der jetzt schwer, Rucksäcke können echt Schweine sein... Es fängt an zu schneien und die Sicht geht auf Null. Der Wind verweht den Schnee und die guten Spuren verlieren sich nun, aber mein Orientierungssinn funktioniert, ohne das GPS um Rat zu fragen finde ich den Weg und mache eine Punktlandung an der Stelle an der ich im Aufstieg den Firn betreten habe. 

Die 450 Höhenmeter bis zum Ende des Firns, waren echt schwer. Bei jedem Schritt sank ich ein, teilweise bis zum Knie. Mist, dass hat echt keinen Spass gemacht. Irgendwann war aber auch dieses Stück Weg geschafft und ich renne in einem leichten Trab den Berg herunter. Es regnet nun, die Sicht ist etwas besser. Nach der Kante, geht es aus dem Geröll raus, in die Flanke des Bergrückens und im weichen Lavadreck lässt es sich angenehm kraftschonend herunter rutschen. Dann sehe ich das Auto schaue auf die Uhr und realisiere das ich es in unter 9 Stunden schaffen kann. Also das Tempo nochmal erhöht und volle Konzentration. Jetzt nicht umknicken oder am Bach abrutschen.

Meine Rückkehr am Auto nach 8 Stunden und 59 Minuten. Rückfahrt.

Edith wartet bereits im Hotel, duschen und umziehen, die Sachen zum Trocknen aufhängen. Dann geht es nach Höfn, Einkaufen und Abendessen steht auf dem Programm. Als wir unterwegs sind ruft Magnus an und meint er sei nur ein paar Kilometer entfernt. Also warten wir. Dann geht es in die Hot Tubes nach Höfelen. Wir aalen uns im heissen Wasser und geniessen den stressfreien Moment. Dann geht es zurück nach Höfn, Abendessen Surf and Turf, Verabschiedung von Magy und seiner Freundin, zurück in das Hotel und Nachtruhe.

 

29.06.2017

Aufstehen, Frühstück, kein Muskelkater, erstaunlich, das lag sicher an dem Bad in den Hot Tubes. Wir packen das Auto und fahren Richtung Reykjavik. Am Eissee mache ich mit dem DJI Quadcopter noch einige tolle Luftaufnahmen.

Bei der einen oder anderen Sehenswürdigkeit halten wir zum Fotografieren an. Abends Ankunft im Gästehaus. Alles stinkt hier ein wenig nach Schwefel, auch das Trinkwasser. Wir gehen Abendessen und streunen noch ein wenig durch den Hafen und die nähere Umgebung.

 

30.06.2017

Heute steht Stadtbummel durch Reykjavik auf dem Programm. Ein Fan werde ich wohl nicht werden. Alles wirkt irgendwie improvisiert und hingepfuscht. Überall Risse in den Fassaden, Farbe blättert ab, alles ist immer nur so halbfertig gebaut oder repariert. Wir laufen etliche Kilometer und stolpern von einem Souvenir Geschäft zum nächsten. Die Innenstadt besteht scheinbar nur aus Kneipen, Wolle-Shops und Andenkenläden. Immer in schöner Wiederholung, dazwischen die üblichen Fastfoodketten und Kaffeeshops.

 

Wir fahren nach Keflavik und beziehen am Abend unser Zimmer im Gästehaus in der Nähe des Airport.

 

01.07.2017

Kurze Nacht, Chaos am Flughafen, alles wieder sau knapp, aber es klappt.

Wir sitzen im Flugzeug und ich vollende meine Notizen.

 

Abschied von Island,

Es geht wieder Nachhause. Drei Wochen voller Erlebnisse, körperlicher und auch nervlicher Anforderungen sind vorbei. Das Fazit: alles hat geklappt, der Hakan Toppen, höchster Punkt am Beerenberg auf Jan Mayen wurde von Magnus, Wolfgang und mir erreicht. Das Wetter war exakt einen Tag gnädig. Dank dem großartigen Support des Aurora-Arktika Teams und dem Leiter der norwegischen Forschungsstation, gelang uns die Tour in einer super schnellen Zeit (unter 19 Stunden). Es war der längste Tag meines Lebens. 27 Stunden auf den Beinen, bei immer währender Sonne. 

Als Bonus gelang mir noch die Solo-Besteigung des Hvannadalsnukur, höchster Berg von Island. 2.150 Höhenmeter und knapp 25 Kilometer in unter 9 Stunden. 

Mit dieser Ausbeute gehe ich gern wieder heim. Was bleibt ist die Erinnerung an das Erlebte, die neuen Freunde, die Freude, dass der Plan aufgegangen ist und sich der ganze Organisationsstress im Vorfeld gelohnt hat. 
 
Danke an Siggi, Vedar, Sandrine und Magnus vom Team Aurora-Arktika, Tore, dem Leiter der norwegischen Forschungsstation auf Jan Mayen und danke all den anderen Menschen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. 
 
Danke an die Sponsoren und Unterstützer, danke an unsere Familien, die ebenfalls zum Gelingen beigetragen haben. Danke an Wolfgang, dass Du mit dabei warst! 
Danke an Edith, die mit dabei war, aber auf Grund ihres Skiunfalls im März, leider nicht mit auf den Berg konnte. 
 
Nun heißt es Bilder und Filme sortieren und bearbeiten, Vorträge vorbereiten und dann...das nächste Abenteuer planen. 
 
Matthias Fieles alias Matze-Sherpa 

Über mich

Auf diesen Seiten

stelle ich mich vor.

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Wer ich bin?

Schwer zu sagen.

Ruhelos, rastlos, getrieben.

Bergsüchtig...

Mit Mischa am Eiger

 

 

 

Vielen Dank an alle Unterstützer, Freunde, Tourenbegleiter, meine Familie, meine Kinder und vor allem an meine Partnerin Edith. Mir ist bewusst das es nicht einfach mit mir ist, deshalb Danke für Eure Geduld und Liebe.