Moldavien: Balanesti 430m

Bestiegen am 22.07.2016 

Zusammen mit Edith und Igor

47° 13' 2'' N; 28° 4' 59'' E

47.217298, 28.083188 (Dec Deg)
582015E 5229881N Zone 35 (UTM)

 

20.07.2016
Heute geht es endlich los. Unser Trip nach Moldawien über Odessa soll starten. Von hier, so ist es unser Plan, wollen wir dann ein Verkehrsmittel nach Chişinău, der Hauptstadt Moldawiens finden. 

In Moldawien wollen wir den höchsten Punkt des Landes besuchen - besteigen will ich mal nicht sagen. Dann wollen wir, sofern das möglich ist, noch den höchsten Punkt von Transnistrien und Gagausien "abhaken". Die erste Nacht in Odessa werden wir in einer über AirBnB gebuchten Wohnung verbringen. Elena, die sich um die Vermietung kümmert, will uns vom Flughafen abholen. 


Am Morgen sind unsere israelischen Feriengäste aus unserem Appartement "Bergwaerts" abgereist und haben ein erstaunliches Chaos hinterlassen. Meine Zeit ist knapp und ich bin ziemlich angepisst das ich diese wenige Zeit größtenteils damit verbringe den Küchenherd und den Kühlschrank zu putzen und zurückgelassene Lebensmittel, ausgediente Koffer, Schuhe und Kleidung zu entsorgen. Am Abend ist wieder Neuanreise und unserer Nachbarin die uns hilft und sich darum kümmern wollte, kann und will ich das nicht zumuten. Also kein gemütliches Frühstück...

Wir starten früh genug zum Flughafen und alles läuft normal, unsere traditionellen Abflugbiere, dazu zwei belegte Brötchen, macht 35,-SFr, da weiß man wo man is(s)t. Wir kommen mit Verspätung und hungrig in Kiew an. Im Terminal gibt es keinen Imbiss, nur einen Automaten mit belegten Brötchen, wir haben aber keine Griwna, also Hunger...grrrr.
Der Weiterflug nach Odessa hat fast eine Stunde Verspätung. Irgendwann ist endlich Boarding. Wir sitzen im Flieger, nichts geht. Wegen technischer Probleme fährt der Flieger zweimal aus der Parkposition und wieder zurück, die Aircondition funktioniert nicht, es ist stickig und heiß. Die alte Boeing macht nicht wirklich einen vertrauenswürdigen Eindruck. Der Flugkapitän erklärt viel und spricht schnell, spricht von Sicherheit und das aber alles in Ordnung sein. Seltsam, er betont das 'zig Mal. Dann meint er das bei der UIA die Sicherheit an erster Stelle steht und kein Flugzeug starten würden, wenn nicht wirklich alles in Ordnung wäre. Zumindest die Sitze sehen nicht wirklich in Ordnung aus... Mit 2,5 Stunden Verspätung kommen wir in Odessa an. Elena ist eine Perle. Sie steht lächelnd da, nimmt uns in Empfang, hat Wasser für uns dabei. Wir sind total ausgehungert, durstig und müde. Sie bugsiert uns in ein gutes Restaurant, ordert etwas zu essen für uns und zack kommt schon wieder Urlaubsstimmung auf.

Das Apartment ist super und entspricht der Beschreibung im Internet.
Wir hauen uns um, endlich schlafen.

20.07.2016
Wir schlendern durch das morgendliche Odessa, genießen die Sommerstimmung und ein gutes Frühstück. Elena holt uns vom Apartment ab und bringt uns mit dem Taxi zum Busbahnhof. Wir wollen mit einem Marschroutka, der Oberbegriff für die in den Ex-Sowjet-Ländern typischen Kleinbusse, von Odessa nach Chişinău. Elena bringt uns zur richtigen Haltestelle. Der Busfahrer will uns nicht mitnehmen. Wir haben große Koffer dabei und der Bus ist schon recht voll. Eine Einheimische wird abgewiesen und darf nicht mit. Der Fahrer hat da wohl nicht mit Elena gerechnet. Sie verhandelt den Preis und wir fahren für umgerechnet 16,-€ zu zweit von Odessa via Palanca in das rund 200 Kilometer entfernte Chişinău. Er ist sichtlich erleichtert als wir irgendwie zwischen den Leuten und dem Gepäck Platz finden und Elena uns unserem Schicksal überlässt.
Es wird eine recht unkomfortable, enge und sehr heiße Fahrt. An der Grenze zur Republik Moldova verlieren wir über 2,5 Stunden. Angekommen in Chişinău nehmen wir uns ein Taxi, das bringt uns für völlig überteuerte 5,-€ zum Apartment. Auch hier in Chişinău habe ich über AirBnB ein komplettes Apartment gebucht. Wir sind sehr angenehm überrascht. Olga nimmt uns in Empfang und zeigt uns die Wohnung, sie ist top modern und riesig. Im 15 Stock eines Hochhauses haben wir einen super schönen Blick über die Hauptstadt Moldawiens. Ein hervorragendes, wenn auch nicht ganz preiswertes Abendessen, versöhnt mich wieder mit der Welt.

 

21.07.2016
Olga hat uns einen Fahrer organisiert. Igor, ist ein netter knapp dreißigjähriger Kerl. Er will uns für 50,-€ die Strecke Chişinău zum Balanesti, der mit 430 Metern höchsten Erhebung Moldawiens bringen. Wir sind froh, dass wir jemanden haben der etwas Englisch spricht. Wir verhandeln unterwegs noch gleich den Preis für die Fahrt nach Transnistrien und Igor hat sichtlich Spaß an uns. Rasant bringt er uns bis zum Ausgangspunkt für die Balanesti Besteigung. Er fragt ob er uns begleiten darf, natürlich darf er und wir haben eine sehr kurzweilige Wanderung zur höchsten Erhebung Moldawiens. Am Gipfel sind wir dann zu dritt allein, zusammen mit der Sendeanlage, die denselben verschandelt. Der Dealul Bălănești mit 430m über Null ist erledigt, bei schönstem Wetter. Sehr zufrieden über die Erweiterung meiner Sammlung und die bisher kurzweilige und interessante Tour, geht es wieder zurück.
Nach dem Abstieg gehen wir etwas essen und weiter geht es an die Grenze nach Transnistrien. Am Grenzübergang fragt der Grenzer unseren Fahrer recht barsch, was denn die "Westler" da in seinem Auto zu suchen hätten. Er vermutet das wir Journalisten sind. Igor erklärt das wir Alpinisten sind, kurze Stille. Der Grenzer schaut als ob wir ihn veralbern wollen. Igor erklärt ihm das Projekt mit den höchsten Punkten der europäischen Länder und unser Vorhaben in seinem Land, er zeigt ihm auf meiner Karte wo wir hin wollen. Oh ja, das ist ja dann auch schon wieder Grenzgebiet, diesmal zur Ukraine. Der höchste Punkt Transnistriens ist nämlich nur ein paar hundert Meter von der Grenze zur Ukraine entfernt. Irgendwie schmeichelt es dem Kommandanten, dass wir auf den höchsten Punkt seines Landes wollen. Denn das bedeutet ja schließlich, dass wir sein Land, die Transnistrische Moldau Republik, als eigenständiges Land anerkennen. Also gibt es einen Zettel in den Pass und die Frage, kommt Ihr mit 10 Stunden klar? Natürlich kommen wir klar und versprechen pünktlich wieder da zu sein. Wir müssen um 1:43:40 Uhr wieder ausgereist sein und haben somit ein Transit Visum. Weiter geht die Fahrt in Richtung Etappenziel, dem Dorf Plot. Angekommen im Ortsteil Sowjetskoje begrüßt uns ein eiserner Bogen über der Ortseinfahrt. Auf diesem erfahren wir das hier der Sowchos "Hoch dem Sozialismus" (oder so ähnlich) ansässig ist. Na dann...
Wir folgen dem Weg, der inzwischen unbefestigt ist, etwas außerhalb des Dorfes sehen wir ihn endlich, den Hügel. Leider ist der Hügel nicht so schön freistehend und so leicht begehbar, wie es einige Bilder auf den einschlägigen Wegseiten suggerieren. Inzwischen ist das Hügelchen nämlich komplett zugewachsen. Igor und Edith gehen ein ganzes Stück mit mir, finden dann aber das es genug sei. Ich kämpfe mich noch ein wenig weiter durch brusthohe Diestel- und Dornenbüsche, kämpfe mit Ameisen und Bäumchen und meine dann irgendwann den Punkt gefunden zu haben. Höhenmesser und GPS geben mir unterschiedliche Werte an, aber ich bin mir dann recht sicher das der höchste Punkt Transnistriens nun abgehakt ist. Wow 273,9m über dem Meeresspiegel und ca. 5 Meter über Umland, alles ohne künstlichen Sauerstoff und Fixseile ;-)
Es geht jetzt zurück zum Auto und unterwegs befreie ich mich von Unmengen Kletten, Dornen und Ameisen. Gar nicht so ungefährlich der Hügel.

Wir fahren wieder über die Grenze und Igor meint er hätte da noch einen Vorschlag. In der Nähe der Grenze zeigt er uns ein Kloster welches in eine Schlucht gebaut ist. Es ist ein sehr schöner Flecken, wir schlendern herum, lassen die Seele baumeln und Igor freut sich sichtlich, weil er sieht dass es und gefällt. Auf dem Weg zurück nach Chişinău fragt er uns über unsere Pläne aus. Wir erklären ihm, dass wir uns morgen einen Minibus nach Odessa suchen wollen. Er erklärt uns vorsichtig, dass es doch viel bequemer wäre mit seinem Auto zu fahren. Das sehen wir natürlich genau so, uns war aber nicht klar das er für diesen Job zur Verfügung stehen würde. Sofort habe ich die Idee im Kopf auf dem Rückweg nach Odessa noch einen Umweg zu machen und den höchsten Punkt der Autonomen Republik Gagausien zu besuchen. Igor lacht und lacht und ich sehe ihm an, auch ihm gefällt die Idee. Ja ja die bekloppten Deutschen...Wir verhandeln den Preis und verabreden uns für den nächsten Morgen.
Der Abend bringt uns ein Abendessen auf höchstem Niveau. Essen, Wein und Service sind top und für unsere Verhältnisse sehr günstig.

22.07.2016
Igor ist pünktlich vor Ort. Wir übergeben das Apartment an Olga und starten Richtung Comrat, der Hauptstadt von Gagausien. Es wird eine fröhliche Fahrt durch eine wunderschöne, weitläufige und hüglige Sommerlandschaft. Wir passieren Comrat und fahren durch das Dorf Ciucur Mingir. Hier fahren wir bis an einen kleinen See, parken das Auto und suchen den Weg zum höchsten Punkt. Blöderweise steht der Mais prächtig auf den Feldern und die Wegränder sind mannshoch mit stachligen Gestrüpp bewachsen. Wir schlagen uns da durch und Igor hat plötzlich einen riesigen Dornen im Fuß, beim Versuch diesen herauszuziehen bricht der ab. Wir haben keine vernünftige Pinzette dabei und Igor stochert mit dem Taschenmesser in der Wunde herum. Er beschließt, dass Problem erst am Auto zu lösen. Wir kämpfen uns durch das Gestrüpp und auch dieser Landeshöchste, namenlos und 239,7m "hoch" ist komplett zugewuchert. Ein bisschen ärgere ich mich über mich selbst, die Wanderschuhe sind im Auto und ich stolpere hier mit Teva Sandalen und kurzen Hosen durch die Dornen. Aber dann ist auch dieser Landeshöchste erledigt. Auf dem Rückweg zum Auto wird es noch einmal sehr stachlig. Am Auto angekommen, versucht Igor nochmal erfolglos den Dornen heraus zu bekommen. Wir fahren nach Comrat und versuchen Igor zu überreden einen Arzt aufzusuchen. Er will nicht, geht in eine Apotheke und desinfiziert und verbindet den Fuß.
Über einen kleinen Grenzübergang will Igor in die Ukraine einreisen. Die Straßen in Moldawien sind ganz passabel, kurz vor dem Grenzübergang ist damit aber Schluss. Der Asphalt ist zu Ende, tiefe Spurrillen prägen die Straße oder besser das was davon übrig ist.
Am Grenzübergang sind äußerst strenge Grenzer, sie stellen laut Fragen und haben immer die Waffe irgendwie griffbereit. Als denen klar wird das wir Deutsche sind, kommt eine junge Frau in Uniform, sie spricht deutsch und alles entspannt sich. Wir plaudern ein bisschen und sie erzählt uns, dass sie einen Deutschkurs in Wien bekommen hatte. Nach etwas Smalltalk geht es weiter über unglaublich schlechte Straßen in Richtung Odessa. Igor quält seinen Mercedes über die Katastrophenpisten. Über weite Strecken fährt er neben der Straße auf dem Acker, da es da besser geht als in den tiefen Spurrillen. Unendlich langsam geht es in Richtung Meer. Igor bringt uns zuverlässig und sicher zum Hotel. Hier wird geduscht, umgezogen und ab geht es in ein sehr schickes Restaurant. Der Abend endet mit einem sehr vornehmen, nicht so billigen Abendessen und dem Abschied von Igor. Er will tatsächlich noch in der Nacht wieder zurück nach Chişinău fahren. Was für ein super Typ! Edith und ich haben ein schlechtes Gewissen und nehmen ihm das Versprechen ab, sich zu melden wenn er angekommen ist und dann sofort zum Arzt zu gehen, wegen dem Dorn im Fuß. Er verspricht es und düst los. Nur zwei Tage waren wir zusammen unterwegs und trotzdem haben wir jetzt das Gefühl, mit einem guten alten Freund gefahren zu sein, einfach schön.

23.07.2016
Ausschlafen, Frühstücken und an den Strand. Ein relaxter Tag am Meer...
Elena holt uns abends am Hotel ab und wir fahren in ein georgisches Restaurant. Tolles Essen und nette Gespräche. Müde kehren wir in unser Hotel zurück.

24.07.2016
Unser letzter Tag in Odessa
Ausschlafen, im traumhaften Hotelgarten frühstücken, dann zum Strand und Chillen, Lesen, Sonnen, Baden, schöne und ein paar wenige weniger schöne Körper anschauen ;-)
Der Tag vergeht wie im Flug. Abends gehen wir in die Stadt, wir treffen uns mit Elena und bekommen eine Stadtführung. Sehenswürdigkeiten anschauen, die Potjomkintreppe, Oper von Odessa und soviel mehr, dann in ein traditionelles Restaurant. Mit riesigen, nicht bezwingbaren Portionen, zum kleinen Preis beschließen wir den kurzweiligen und lustigen Abend mit Elena.

25.07.2016
Rückflug, früher Start in den Tag. Unspektakulär geht es über Kiew wieder zurück nach Zürich und von dort mit dem Auto Nachhause.

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Vielen Dank an alle Unterstützer, Freunde, Tourenbegleiter, meine Familie, meine Kinder und vor allem an meine Partnerin Edith. Mir ist bewusst das es nicht einfach mit mir ist, deshalb Danke für Eure Geduld und Liebe.