Norwegen: Galdhøpiggen 2.469m

Bestiegen 21.02.2007 solo

 

61° 38' N; 8° 19' E

Auf dem Galdhoppiggen -30°C

Tausende von Touristen und Einheimischen pilgern in den Sommermonaten auf den höchsten Berg Norwegens, den 2.469 Meter hohen Galdhøpiggen. Er liegt im nordwestlichen Teil des Jotunheimen-Nationalparks, nur sechs Kilometer östlich der Sognefjellstraße und fünf Kilometer südwestlich der Juvasshytta. Noch vor einem halben Jahrhundert fiel dem östlich des Visdalen gelegenen Glittertind die Krone des höchsten Gipfels von Nordeuropa zu. Einschließlich Gletschereis wurde der Glittertind im Jahr 1931 auf 2.481 Meter kotiert. Doch fünfzig Jahre später verzeichnete die topographische Karte nur noch 2.472 Meter. Bis heute ist das Eis auf 2.464 Meter abgeschmolzen. Der im Spätsommer oft eisfreie Galdhøppigen mißt ohne Eiskappe 2.469 Meter und ist somit wirklich Nordeuropas höchster Berg.

Auf zwei Routen kann man den Galdhøpiggen im Sommer relativ unschwierig begehen:

  • Vom Berghotel Spiterstulen schlängelt sich die am häufigsten begangene Route auf
    einem markierten Steig 1400 Höhenmeter und fünf Kilometer aufwärts.
  • Von der Juvasshytta aus, die über eine unbefestigte, mautpflichtige Straße zu
    erreichen ist, sind nur 600 Höhenmeter zu überwinden. Die Tour führt über den
    Styggebreen und den in diesem Gletscher fußenden Galdhøpiggen-Nordsporn. Der
    Nachteil dieser Route ist, daß sie nicht allein begangen werden kann, wegen der
    gewaltigen Spalten des Styggebreen, des 'grausigen' Gletschers, die bis zum
    Spätsommer von oft trügerischen Schneebrücken bedeckt sind. Die letzten 120
    Meter erfolgen ohne Gipfelsicht über den Piggbreen (Stachelgletscher), der
    zwischen Galdhøpiggen und Keilhaus Topp in den Styggebreen fließt. Unvermittelt
    tauchen dann der Gipfel und die Gipfelhütte auf.

Beide Routen lassen sich kombinieren.

Die erste bekannte Besteigung erfolgte 1850 durch den Hofwirt Steinar Sulheim, den Kirchensänger J. Flaaten und den Lehrer J. Arnesen aus dem Bøverdalen. Ein paar Jahre später knobelte der Bauer Ole Röysheim, auch aus dem Bøverdalen, eine Route von seinem Hof über den Raubergstulen hinauf zum Galdhøpiggen aus. Die Nordwestflanke, die steilste Wand des Massivs, wurde 1912 erstmalig bezwungen; jedoch sollte dieser äußerst schwierige Aufstieg nur von sehr erfahrenen Bergsteigern versucht werden.



Ludwig Passarge, der 1880 den Galhøpiggen bestieg, beschreibt in seinem Buch 'Drei Sommer in Norwegen' den Gipfelrundblick so:



"Der Nebel war dem scharfen
Westwind längst gewichen; die ganze Welt lag bestimmt, aber in einer Art
Dämmerlicht vor unseren Blicken; denn hoch über uns breitete sich ein ätherisch
durchsichtiger Schleier aus, der nur gerade dicht genug war, um den Himmel
seine tiefblaue Färbung zu nehmen. Die Luft war so klar, daß wir deutlich die
Berge jenseits des Glomma-Tals, die Snøhetta, die Romsdal-Alpen und die Berge
am Nordfjord erkannten. Das Wunder dieser Aussicht ist aber der meilenweit
entfernte Jostedalsbreen, jenes ungeheure bis zu zweitausend Meter hohe
Firnfeld, das sich in einer Länge von etwa einhundert Kilometer zwischen dem
Sognefjord und dem Nordfjord ausdehnt und in dem intensivsten Weiß wie mit
eigener Lichtquelle strahlt. Nach der Seite des Jotunheimen hin - und dieser
nimmt den ganzen Süden und den größten Teil des Westens ein - ist es ein
einziges wogendes Meer; alle Berge in einen Schneemantel gehüllt, dazwischen
die blauen Gletscherzungen. Vom Menschenleben erblickt man keine Spur. Nur in
der Ferne deutet eine tiefblaue Spalte neben dem Jostredalsbreen die Existenz
des Sognefjords an."

(Quelle: Ludwig Passarge, "Drei Sommer in Norwegen")

 



Zwei Gipfelhütten, die die Besitzer der Herbergen Spiterstulen und Juvasshytta früher errichtet hatten, fielen den stürmischen Winden zum Opfer. Die jetzige, futuristisch wirkende Selbstversorgerhütte ist aus Stein und Glas erbaut und wird den Naturgewalten wohl etwas länger trotzen. Die Aussicht umfaßt ein riesiges Gebiet von 35.000 km2. Eine Orientierungstafel in Gipfelnähe, bezeichnet die umliegenden Berggipfel.

 
Die Geschichte zur Tour:
Mit dem Auto am 20.02.07 in Murg ,an der schweizer Grenze, gestartet. Von Süd nach Nord durch ganz Deutschland, dann über Dänemark - Öresundbrücke - Schweden, nach Oslo, bei schwierigsten Strassenverhältnissen. Schneesturm und Nebel machen die Fahrt zu einem Abenteuer, Staus, alles dauert ewig. Im Hotel bei Oslo angekommen, es ist bereits Mitternacht, ist das Restaurant schon geschlossen, ich koche mir eine Suppe auf meinem Gaskocher, blöderweise geht der Rauchmelder im Zimmer los und ich muss mich gegenüber dem Hotelpersonal rechtfertigen. Ich rede mich raus und bestelle noch ein Bier.
 

Start am frühen Morgen des 22.02.07 5.00 Uhr vom Hotel in der Nähe von Oslo. Da die letzten zwei Nächte überwiegend mit der Anreise verbracht wurden (nie mehr als 3-4 Stunden Schlaf) war ich ziemlich müde. 10.00 Uhr Ankunft in Lom, Strasse nach Spiterstulen ist gesperrt. Ich vertraue auf meinen Volvo XC 90 Allrad und wühle mich noch 8 von 18 Km Strasse, illegal durch den Schnee. Der Schnee ist so hoch das ich mit dem Auto nicht mehr weiter komme. Ich wende und stelle das Auto in Richtung Tal zeigend ab. Dann per Ski, Start 11.00 Uhr, die noch verbleibenden 10km über die tief verschneite Strasse bis Spiterstulen. Ankunft gegen 12.00 Uhr. Kurze Pause und Aufstieg Richtung Galdhoppigen. (Der höchste Berg Norwegens und Nordeuropas). BIch bin völlig allein unterwegs, ausser diversen Tierspuren und später einer riesigen Rentierherde ist niemand hier. Aufstieg über den Keilhaustop (2.355m) und den Svellnosi (2.272m) zum Gipfel des Galdhopiggen. Es ist wahnsinnig kalt ca. 25 bis 30 Grad unter Null (-20 am Auto auf ca. 1.000m) und sehr windig. Der Wind machte mir am meisten zu schaffen, er kühlt mich aus und ich überlege ob ich umdrehen soll. (Nicht das einzige Mal auf dieser Tour) Der Schnee ist an den Kanten z.T. fast komplett weggeblasen. Auf dem Gletscher und in den Senken aber z.T. extrem tief. Das Spuren kostet mich unglaublich viel Kraft und Zeit. Erst gegen 17.20 Uhr, es ist bereits dunkel, bin ich endlich am Gipfel. Ich bin fix und fertig und beschliesse  etwas tiefer zu biwakieren. Im Dunkeln weiter abzusteigen macht keinen Sinn. Ein Loch graben, Schnee schmelzen, Tee und Suppe kochen, das alles braucht viel Zeit, zum Glück, somit vergehen einige Stunden. Ich bin so müde das ich sehr schnell in meinem Sitzloch einschlafe. Ein paar Stunden später werde ich wach und zittere völlig unkontrolliert vor Kälte. Ab jetzt wird es zäh, es ist wirklich kalt und die Zeit will einfach nicht vergehen. Draussen brüllt der Sturm. Ich koche Tee, allein schon der Anblick der Gas-Flamme wärmt ein wenig. Kochen erzeugt Wärme, der Tee weckt die Lebensgeister. Mit dem ersten Tageslicht denn Abfahrt über den Gletscher und Abklettern an einer Steilstufe (im Sommer vermutlich ein Wasserfall?), so spare ich Kilometer auf dem Rückweg. Als es wirklich richtig steil wird, ohne Ski weiter bis zur Strasse, sehr mühevoller Gegenanstieg, der Schnee geht mir teilweise über den Bauch. Irgendwann dann auf der tief verschneiten Strasse, wieder auf die Ski und per Ski den Telefonleitungsmasten folgend, zurück zum Auto. Dort angekommen ist die Mütze am Haar festgefroren, die Augen unterwegs ständig durch den eigenen Atem zugefroren. Ich ziehe meine Skischuhe aus und realisiere erst jetzt das mit meinen Füssen irgend etwas nicht stimmt. Die Innenseiten an beiden Füssen sind dunkelblau und ich habe kein Gefühl dort. Nach Tee und Suppe kochen und aufwärmen im Auto, dann vorsichtige Rückfahrt wieder runter in Richtung Haupstrasse.
 
Der Weg folgt dem Fluss Visa und neben dem Weg geht es teilweise unglaublich steil runter in's Tal. Der Schnee ist teilweise deutlich höher als die Leitplanke und zum Glück hart gefroren. An der verschneiten Hauptstrasse angekommen geht es nach Kvam, hier finde ich ein Hotel. Die Hotelbesitzer sind in diesen Tagen nicht auf Gäste eingestellt und vorbereitet, vermieten mir aber trotzdem ein eiskaltes Zimmer und kochen mir etwas zu essen. Ich telefoniere mit Edith und krieche in den Schlafsack, schlafe sofort ein (ca. 14.00 Uhr). Am nächsten Morgen werde ich wach, die Füsse schmerzen derart stark, ich werfe mir eine Schmerztablette ein, frühstücke und fahre nach Oslo. In Oslo angekommen habe ich noch einen geschäftlichen Termin, den überstehe ich mit Mühe und Not und mir wird klar, ich habe keine Chance mit dem Auto zurück zu fahren. Also zum Hafen, eine Fährpassage nach Kiel geordert, Abendessen, Schmerztabletten, schlafen, schlafen, schlafen. 23 Stunden später Ankunft in Kiel. Die Beine sind geschwollen bis zu den Knien, ich muss jetzt noch bis Frankfurt durchhalten. Edith ist dort um ihren Bruder zu besuchen. Ab Frankfurt auf dem Beifahrersitz, ich gebe mich meinen Schmerzen hin, scheisse...Dann Arzt, Antibiotika, Geschimpfe von allen Seiten...Blöd, aber die Skischuhe waren neu und offensichtlich hinten an den Seiten zu eng. Leider hat mich diese Tour um den Mulhacen 3.482m (höchster Berg des spanischen Festlands) gebracht. Die Füsse waren so kaputt, dass ich lange in keinen Bergschuh passte. Den höchsten Punkt von Gibraltar musste ich deshalb in Teva Sandalen machen ;-)
 
Tolle Landschaft, im Winter sehr einsam. Super Verhältnisse zum Eisklettern (überall). Der Schnee war z.T. harschig und verblasen speziell im Gipfel und Kantenbereichen. Weiter unten und in Senken war viel tiefer Pulverschnee. Bei diesen Bedingungen eine technisch mittelschwere Tour, allerdings konditionell sehr hart, wenn die Strasse bis Spiterstulen nicht frei ist und alles selbst gespurt werden muss, sollte man genügend Zeit einplanen und Kraftreserven haben. Besonders beeindruckend für mich war die Begegnung mit der Rentierherde.
 

Matthias Fieles

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Vielen Dank an alle Unterstützer, Freunde, Tourenbegleiter, meine Familie, meine Kinder und vor allem an meine Partnerin Edith. Mir ist bewusst das es nicht einfach mit mir ist, deshalb Danke für Eure Geduld und Liebe.