Isle of Man: Snaefell 621m

Erledigt am 01.06.2018

solo

 

54° 15' 47'' N; 4° 27' 42'' W
54.263183, -4.461555 (Dec Deg)
404804E 6013790N Zone 30 (UTM)

Der Snaefell (snɛɪfɛl, Manx: Sniaull - dt. Schneeberg) ist mit 621 m der höchste Berg der Isle of Man und der einzige Berg über 600 m auf der Insel. Er liegt in der Nähe von Laxey, nördlich der Inselhauptstadt Douglas.

Eine alte Legende besagt, dass man an einem klaren Tag sechs Königreiche von der Insel sehen kann: England, Irland, Schottland, Wales, die Isle of Man und den Himmel. Andere Versionen fügen das Reich Neptuns hinzu.

Die Snaefell Mountain Railway fährt seit 1896 von Laxey bis zum Gipfel. Dort gibt es ein Café und verschiedene Kommunikationsmasten. Die A18 Snaefell Mountain Road führt über den Snaefell.

Der Berg ist Namensgeber des Snaefell Mountain Course, der Motorsport-Rennstrecke, auf der unter anderem seit 1911 das Motorradrennen Isle of Man TT ausgetragen wird.

 

(Quelle: Wikipedia)

Snaefell (Bild Wikipedia)

Rausgehen ist wie Fenster aufmachen, nur viel krasser...

Nach einiger Zeit der Touren- und Berg-Abstinenz, die unter anderem der extremen Auftragslage in der Firma geschuldet war, hatte ich wieder die Möglichkeit ein kleines Abenteuer zu planen. Von Basel nach London, von London nach ​Manchester. Von hier in den Snowdonia Nationalpark und auf den Snowdon, dem höchsten Punkt von Wales. Danach sollte es nach England gehen um den höchsten Engländer, den Scafell Pike, zu besteigen. Im Anschluss zurück nach Manchester, von hier auf die Isle of Man, hier dann ebenfalls auf den höchsten Berg der Insel, den Snaefell und weiter nach Belfast um den Slieve Donard, den höchsten Punkt von Nordirland zu besteigen. Von Belfast über Berlin zurück nach Basel. Zeitfenster 5 Tage. Soweit die Theorie.

 

29.05.2018

Der Start verlief planmässig und nach der Landung in Manchester hieß es Mietwagen suchen und mit dem Linksverkehr klarkommen. Der indisch stammige Mitarbeiter von Europcar ist ein guter Verkäufer und schwatzt mir einen Automatikwagen auf, worüber ich im nachhinein immer noch dankbar bin. Linksverkehr, das seltsame Navi beachten und dann noch mit der linken Hand schalten... nicht einfach.

 

Irgendwie fummele ich mich durch den Verkehr in Richtung Wales. Kurz vor 15:00 Uhr komme ich in Llauberies, dem Ausgangsort für die Snowdon Besteigung an. Der Aufstieg ist für morgen geplant. Allerdings hat es mich etwas ernüchtert, wie lange ich gebraucht habe für die paar Kilometer bzw Meilen. Da morgen dann die wirklich lange Fahrt in den Lake Distrikt ansteht, kommt mir die Idee den Snodon noch heute anzugehen. Die Bahnstation der Snodon Mountainrail ist einfach zu verlockend. Der Engel auf der linken Schulter sagt: „Du darfst den Zug nicht nehmen, das ist nicht by fair means“. Der Teufel auf der anderen Schulter meint lakonisch: „...egal wie Du auf diesen verdammten Hügel kommst, wichtig ist doch Du warst oben und hast Dein GPS Log in der Peakhunter App erledigt“. Klar, der Teufel gewinnt. Ich parke den Wagen, habe natürlich kein Kleingeld, renne zur Bahnstation und werde von Schildern begrüsst mit der Aufschrift „All Trains are sold out“.

Aber wer mich kennt weiss ja, dass schreckt mich nicht gleich ab. Nach kurzem Flirt mit der Lady am Schalter, zieht die Mitleidsmasche. Bin extra von soweit gekommen. Drei Minuten später, auf dem Platz den normalerweise der Conducteur belegt, sitzt nun der Matze, der Schaffner hat auf einem Klappstuhl am anderen Ende des Zuges Platz genommen. Warum ich 38£ statt 22£ zahlen muss erschließt sich mir nicht, ist mir aber auch vollkommen egal. Gemütlich rumpelt die Bahn den Berg hoch, dampft und stinkt. Es ist sonnig und es kommt endlich ein Urlaubsgefühl auf. An der Endstation muss ich meinen Körper dann doch noch ein wenig bewegen und jogge schnell den Gipfel hoch. 16:30Uhr Peakhunter Log, Fotos und ein kleines Steinchen suchen. Ich bin richtig happy, wieder ein Punkt in meiner Liste abgearbeitet. Es geht wieder runter, mein Hotel ist direkt im Ort, nicht weit von der Bahnstation. Einchecken, duschen, ein grässliches englisches Bier und ein noch ungeniessbares Abendessen, dann falle ich todmüde ins Bett. 

 

30.05.2018

Heute steht etwas länger schlafen auf dem Programm, gemütlich Frühstücken und die Fahrt in den Lake Distrikt nach Washdale Head.

Gegen 9:00Uhr breche ich auf und stürze mich erneut in den Linksverkehr. Nach stundenlanger Autobahnfahrt geht es über immer enger werdende Strassen, welche von Steinmauern und Bäumen gesäumt sind hinein in den Lake Distrikt. Eine schöne sanft hügelige Landschaft, viel grün und viele Schafe.

Links und rechts am Weg türmen sich die ersten Berge auf, ich kann nicht widerstehen und mache eine kleine Runde von 6 Kilometern, nehme dabei drei der Hügel mit. Die Sammlung ist nun erweitert um die „Bergriesen“ Rough Crag 319m, Seat How 311m und Water Crag 305m.

 

Nach einigem Suchen finde ich das Haus meiner AirBnB Gastgeber und beziehe mein Zimmer. Dann muss ich noch ein paar Kilometer bis zum Meer fahren, einen Supermarkt finden und für mich Abendessen, Frühstück und Wegzehrung einkaufen. Ein gemütliches Abendessen im Wintergarten des AirBnB und dann ist Nachtruhe.

 

31.05.2018

5:00Uhr geht der Wecker, raus aus dem Bett, Duschen, Frühstück im stehen und los geht es. Rund 10 Meilen bis Washdale Head zum Parkplatz. 

Der Weg ist mir klar, Rucksack richten und los geht es. Etwas über 900 Höhenmeter und rund 10 Kilometer liegen vor mir. Rund 5 Stunden veranschlagen die gängigen Tourenbeschreibungen, 4 Stunden nehme ich mir mal vor. Es läuft super, die Temperaturen sind angenehm und es regnet nicht, nur die Sicht ist bescheiden.

Je höher ich komme um so mehr komme ich in die tief hängenden Wolken und irgendwann bin im „Withe Out“.

Hier und da hatte ich gelesen das der Weg nicht gut markiert sei und bei Nebel schlecht zu finden. Sorry Leute, wer diesen Weg nicht findet, sollte auf jeden Fall einen Blindenhund oder einen zurechnungsfähigen Begleiter dabei haben oder die Sportart wechseln. Nach nur einer Stunde und 50 Minuten stehe ich am Gipfel. Es ist nebelig, ein leichter Wind weht, die Temperaturen sind perfekt. Ich gönne mir 10 Minuten hier oben. Das gleiche Prozedere wie immer. Steinchen suchen, GPS Log bei Peakhunter und schon 55 Minuten später bin ich wieder am Auto. 2 Stunden und 55 Minuten inklusive 10 Minuten Gipfelrast, ich bin extrem zufrieden mit dem alten Mann.

 

Die Rückfahrt nach Manchester gestaltet sich unspektakulär. Um 16:38 Uhr erhalte ich eine Email von Stoberair in der mir mitgeteilt wird das mein Flug für den nächsten Morgen aus „commercial reasons“ gestrichen ist. Ich bin stinksauer und enttäuscht. Bis hierher lief alles wie am Schnürchen. Warum ist der Flug überbucht?

Ich checke im The Bulls Head Lodge Hotel ein und fahre zum Flughafen. Niemand kann oder will mir dort helfen. Ich könnte am Montag fliegen oder das Geld zurück bekommen, aber nur für den Hinflug, da der Rückflug von mir seperat gebucht wurde. Was für Idioten. Beschweren beim Supervisor geht nicht, keiner hat Bock mit mir zu reden, ich soll eine Email schreiben. Wütend verlasse ich das Terminal.

Ich beschliesse es am nächsten Morgen nochmal zu versuchen. Ich bin ja eingecheckt für beide Flüge, das Ticket habe ich ausgedruckt.

 

01.06.2018

4:00Uhr raus aus den Federn, Rucksack nur mit dem Nötigsten, alles ander bleibt im Hotel.

Am Airport will ich zum Checkin Schalter um einen verzweifelten Versuch zu starten doch noch auf einen der überbuchten Flüge einen Platz zu bekommen. So leicht wollte ich nicht aufgeben. Doch dann denke ich: „ach versuche es doch einfach mal“. Erster Sicherheitscheck, Ticket scannen, Tür geht auf, Matze geht durch.

Sicherheitskontrolle, alles klappt, zweiter Sicherheits check, ich scanne das Ticket und es gibt grünes Licht, ich gehe durch. Am Gate wird es dann spannend. Wieso konnte ich mit einem gecancelten Ticket bis zum Gate kommen? Das Boarding beginnt, die Dame am Schalter scannt mein Ticket und ich gehe in den Flieger. Dann der Moment als man im Flugzeug feststellt das zwei Leute zusätzlich drin sind. Wir bekommen die Rückwärtsplätze vorn und haben Spass mit unseren Sitzplätzen. Erst jetzt fällt die Anspannung ab, ich werde auch diesen Hügel abhaken können.

Auf der Isle of Man laufen die Vorbereitungen für das berühmte TT Race. Es gibt keine Mietwagen, die Strassen sind teilweise gesperrt.

Ich fahre mit dem Bus vom Flughafen nach Douglas und von dort mit der historischen Tram zum Ausgangspunkt der Snaefell Mountainrail.

Mit dem IOM Explorerticket sind alle öffentlichen Verkehrsmittel für einmalig 18£ inklusive. Also umsteigen rein in die historische Bergbahn und langsam zuckelnd auf den Berg.

Der Snaefell 621m begrüsst mich mit einem Witheout. Wieder die üblichen Gipfelfotos, Peakhunter GPS Log erledigen und ein Steinchen suchen, dann zurück zur Bahnstation und im Snaefell Hotel ein grässliches Essen reintun. Nun habe ich Zeit bis zum Rückflug. Mit der alten Tram geht es wieder den Berg runter. Am Umsteigepunkt angekommen einsteigen in die alte Tram nach Douglas. Hier bummele ich die Promenade entlang, kaufe mir eine schicke TT Race Motorrad-Jacke und geniesse die Sonne und den Blick auf das Meer. Dann geht es mit dem Bus zurück zum Flughafen. Der Rückflug verläuft nach Plan. In Manchester nehme ich mir ein Taxi zum Hotel. Leider gibt es dort nichts mehr zu essen. Einige Minuten zu Fuss gibt es ein super Restaurant, italienisch angehaucht, stylisch und mit netter Bedienung. Ein gutes Steak mit Spinat und Chips, ein feines Glas Weisswein, meine ganz private Einmann Gipfelfeier. Dann ist auch dieser Abend gelaufen. Zurück im Hotel, Rucksack packen, Hotelzimmer zahlen, Taxi bestellen und schlafen.

 

02.06.2018

Der Wecker klingelt sehr früh. Am Flughafen einchecken bei Easyjet und dann geht es nach Belfast. Mit dem Mietwagen fahre ich in das Örtchen Newcastle, parke das Auto im Donard Carpark.

Es ist neblig, die Wolken hängen tief und die Luft ist extrem feucht.

Kurz nach 11:00 Uhr laufe ich los. Ein breiter Wanderweg führt entlang einem Flüsschen bergauf. Die Landschaft ist schön, alte Bäume, sanfte Hügel und das Flüsschen gefallen mir. Aus dem Wald heraus gekommen verziehen sich die Wolken und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel.

Die Strecke und die Höhenmeter ziehen sich, meine Waden und Oberschenkel melden sich, die Scafell Pike Tour hängt mir noch in den Beinen. Am Sattel angekommen geht es in Aufstiegsrichtung nach links,

immer an der Mauer entlang.

Eine 35 Kilometer lange Trockenmauer aus zum Teil riesigen Natursteinen zieht sich über die Berge. Mit seinen an den Gipfeln hohen, sauber gemauerte Ecktürme, ist das Bauwerk wirklich extrem beeindruckend. Zur Zeit wird die Mauer repariert, dafür wurden Tonnen von Steinen mit Helikoptern nach oben geflogen.

Ich nehme die letzten 300 Höhenmeter und den letzten Entfernungskilometer in Angriff. Irgendwie wird es nochmal zäh.

Dann der Gipfel, ein beachtlicher Steinhaufen und der Eckturm der Mauer markieren diesen Punkt. Nach einer halben Stunde am Gipfel mache ich mich an den Abstieg und bin rund 4 Stunden nach Start wieder am Auto. Ein trauriges Abendessen in Antrim, nahe Belfast.

Das Essen war auf dieser Tour überwiegend schlecht, wer mich kennt weiss, dass ist gaaanz schlimm für mich ;-)

 

Trotzdem bin ich total happy, mein verrückter Plan ist aufgegangen, in 6 Tagen inkl. An- und Abreise, 4 Berge, 7 Flüge, rund 1.000 Mietwagen-Kilometer, über 50 Kilometer und ca. 2.000 Höhenmeter zu Fuss. Dazu noch etliche Kilometer und Höhenmeter mit den beiden Bergbahnen, dem Bus und der Tram. 

Übernachtung und Rückflug via Berlin nach Basel.

Alles in allem eine echt geile Tour, dank der ich nun im Ranking der Peakbaggerliste wieder weiter nach oben komme.

Matthias Fieles alias Matze-Sherpa

 

 

 

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Ruhelos, rastlos, getrieben.

Bergsüchtig...

Mit Mischa am Eiger

 

 

 

Vielen Dank an alle Unterstützer, Freunde, Tourenbegleiter, meine Familie, meine Kinder und vor allem an meine Partnerin Edith. Mir ist bewusst das es nicht einfach mit mir ist, deshalb Danke für Eure Geduld und Liebe.